Über den Trauerfall (1)
Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Ingrid van Bergen, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.
Ingrid van Bergen
01.12.2025 um 10:24 Uhr von RedaktionIngrid Maria van Bergen (* 15. Juni 1931 in Danzig-Langfuhr, Freie Stadt Danzig; † 28. November 2025 in Eyendorf) war eine deutsche Schauspielerin und Synchronsprecherin.
Leben
Kindheit und Jugend
Ingrid van Bergen wurde als zweites von vier Kindern des Lehrers Fritz van Bergen und seiner Ehefrau Ella im Danziger Stadtteil Langfuhr geboren. Ihre frühe Kindheit verbrachte van Bergen in Frankenau in Masuren (Ostpreußen), wo ihr Vater als Dorfschullehrer arbeitete. Sie besuchte aber häufig die Großeltern in Danzig. Der Tod des Vaters als Soldat an der Ostfront – er fiel am 22. Juni 1941, dem ersten Tag des Unternehmens Barbarossa – machte sie zur Kriegswaise. Die Familie zog danach zu den Großeltern nach Zoppot, einer Nachbarstadt Danzigs. Van Bergen engagierte sich bei der Hitlerjugend in einer Spielschar und sang beispielsweise für Soldaten auf Fronturlaub und spielte Märchen oder sang Volkslieder. Ihre Mutter floh nach den sowjetischen Luftangriffen auf Danzig gegen Ende des Zweiten Weltkrieges mit den vier Kindern auf dem Schiff Moltkefels, das sie und 2000 weitere Menschen über die Ostsee nach Rostock, Lübeck oder Hamburg bringen sollte. Es wurde durch einen Angriff sowjetischer Bomber vor der Halbinsel Hela versenkt; etwa 500 Menschen starben. Die Familie wurde mit einem Beiboot gerettet und auf die Halbinsel gebracht. Sie gab später an, sie sei als 13-Jährige auf der Flucht vor der Roten Armee von einem russischen Soldaten vergewaltigt worden, ein traumatisches Erlebnis, von dem sie ihrer Mutter nie erzählt habe. Die Mutter entschloss sich ein weiteres Mal zu einem Fluchtversuch über See, diesmal mit dem Ziel Kopenhagen, weil die deutschen Häfen wegen havarierter Schiffe blockiert waren. Van Bergen schilderte diese Situation: „Ich glaube, wir hatten überhaupt keine Angst mehr. Wir waren ganz fatalistisch …“
Sie erlebte das Kriegsende am 8. Mai 1945 in einem Auffanglager in Skagen, das an diesem Tag von den Dänen übernommen wurde. Dort blieb die Familie bis zur Rückkehr nach Deutschland im Jahr 1948; van Bergen besuchte dort gemeinsam mit ihrem Bruder die Schule. Eine Stecknadel, die blind in eine Karte der französischen Besatzungszone gesteckt wurde, entschied über den zukünftigen Wohnort der Flüchtlinge, Metzingen. Von dort aus besuchte van Bergen die Isolde-Kurz-Oberschule in Reutlingen und legte 1950 das Abitur ab.
Karriere
Nach dem Abitur ließ sich van Bergen an der Staatlichen Hochschule für Musik Hamburg zur Schauspielerin, später auch zur Sängerin ausbilden und verwirklichte damit einen lange gehegten Traum. Im Jahr 1953 war sie Mitbegründerin des politischen Kabaretts Die Kleinen Fische, ein Engagement bei den legendären Berliner Stachelschweinen schloss sich an. Im folgenden Jahr entdeckte Helmut Käutner sie für den Film. Vor allem in Berlin trat sie im Theater auf.
In den 1950er und 1960er Jahren gehörte van Bergen zu den bekanntesten deutschsprachigen Filmschauspielerinnen und war bekannt für ihre rauchige Stimme. Ihr Rollenfach waren Bardamen, Prostituierte und untreue Hausfrauen. Sie spielte beispielsweise mit O. W. Fischer, Joachim Fuchsberger und Heinz Rühmann. Es folgten etwa 200 Film- und Fernsehproduktionen, auch im internationalen Bereich – darunter Filme mit Christopher Lee, Klaus Kinski, Kirk Douglas, Robert Mitchum, William Holden und Giulietta Masina. Neben ihrer Filmtätigkeit war sie weiterhin am Theater tätig und spielte an großen Bühnen in Berlin, Hamburg und München. Auch als Sängerin konnte sie Erfolge verzeichnen und veröffentlichte einige Schallplatten.
Nach ihrer Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe wegen Totschlags 1977 und ihrer Haftentlassung 1982 gelang es ihr zunächst nicht, an ihre alte Schauspielkarriere anzuknüpfen. Der Regisseur Rosa von Praunheim besetzte sie schließlich in seinem Film Horror Vacui (1984) und holte sie damit aus dem beruflichen Abseits. Auf die Theaterbühne kehrte sie am 12. Januar 1985 im Berliner Renaissance-Theater als Sinida in Leonid Andrejews Verliebte Narren zurück. Eines ihrer ersten Fernseh-Engagements hatte sie in der Fernsehserie Losberg, in der sie bis 1988 die Parvenue Margot spielte. Trotz eines zeitweisen Umzugs nach Spanien wirkte sie in Deutschland in verschiedenen Fernsehproduktionen mit. In den 1990er Jahren verkörperte sie u. a. die sympathische Sekretärin Liebscher in der erfolgreichen Familienserie Unser Lehrer Doktor Specht und wirkte später in den Serien Mobbing Girls und Bewegte Männer mit. Die beruflichen Angebote nahmen allmählich wieder zu. 1994 veröffentlichte sie ihre Autobiographie.
Im Jahr 2005 eroberte sie sich mit dem Einpersonenstück Die Klatschmohnfrau nach einer Romanvorlage von Noëlle Châtelet eine Paraderolle und ging damit erfolgreich auf Theatertournee. Am Staatstheater Meiningen war sie im Jahr 2007 für vier Monate in der Produktion Love And War zu sehen.
In den Sommermonaten der Jahre 2005 bis 2008 war van Bergen Ensemblemitglied der Störtebeker-Festspiele in Ralswiek auf der Insel Rügen. Nach einer Pause im Jahr 2009 war sie 2010 als Signora de Rocca im Stück Der Fluch des Mauren wieder mit dabei. Im Januar 2009 nahm sie als Kandidatin an der RTL-Reality-Show Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! teil, in der sie von den Zuschauern zur „Dschungelkönigin Ingrid I.“ gewählt wurde. Ab 2009 spielte van Bergen in der Serie Doctor’s Diary die Rolle der Mechthild von Buhren, welche Anfang 2011 den Serientod erlitt. Zuletzt war sie 2017 in einer Filmproduktion zu sehen.
2010 stand sie abermals als Klatschmohnfrau auf der Bühne und war mit dem Stück Die Nadel der Kleopatra von Philipp Moog und Frank Röth auf Tournee.
Einige Jahre lang war van Bergen als Hörspielsprecherin aktiv. Zu ihren Rollen zählten dort unter anderem die Lady Ducayne in Gesellschafterin gesucht!, die böse Westhexe in Der Zauberer von Oz, die Lappin in Die Schneekönigin von Hans Christian Andersen und „Elvira, die dickste Frau der Welt“ in Sherlock Holmes – Die Affenfrau.
Als eine Hommage anlässlich ihres Todes brachte der RBB in Abänderung des Fernsehprogramms einen ihrer Spielfilme, die Filmsatire Wir Kellerkinder aus dem Jahr 1960, im Spätabendprogramm.
Privates
Ingrid van Bergen war viermal verheiratet, unter anderem mit dem Kabarettisten Erich Sehnke, dem Vater ihrer Tochter Andrea, und mit dem Schauspieler Michael Hinz, der unter anderem als Quentin Kirrin in der britischen Kinder-TV-Serie Fünf Freunde mitwirkte. Ihre gemeinsame Tochter Carolin starb 1990 mit 26 Jahren.
In der Nacht auf den 3. Februar 1977 erschoss van Bergen mit einem Revolver ihren 33-jährigen Geliebten, den Finanzmakler Klaus Knaths, in einer Villa am Starnberger See. Knaths wurde von zwei Kugeln in Brust und Bauch getroffen und erlag kurz darauf seinen Verletzungen. Ihre Töchter waren damals 12 und 19 Jahre alt. Der Strafprozess nach der Beziehungstat löste großes mediales Aufsehen aus; anwaltlich vertreten wurde sie von Rolf Bossi. Van Bergen wurde am 27. Juli 1977 wegen Totschlags zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Nach Verbüßung von zwei Dritteln der Strafe in der JVA Aichach in Bayern wurde sie am 2. Oktober 1981 auf Bewährung entlassen.
Im Jahr 1994 zog van Bergen nach Mallorca, wo sie sich dem Tierschutz widmete und auf ihrer Finca über 100 Tiere beherbergte. 2001 kehrte sie mit ihren Tieren zurück nach Deutschland, auf einen Bauernhof im Ort Eyendorf in der Lüneburger Heide. In einem Interview mit dem Stern erklärte sie 2009, sie sei bekennende Buddhistin. Ebenfalls im Stern erklärte sie 2013, sie lebe vegetarisch und schreibe Kurzgeschichten aus der Sicht von Tieren. 2013 trat van Bergen in die Partei Mensch Umwelt Tierschutz ein. Ab 2020 lebte sie auf ihrem Bauernhof in Wohngemeinschaft mit einer Freundin aus ihrer Haftzeit. 2025 erblindete sie auf Grund einer Einblutung. Im November 2025 starb Ingrid van Bergen im Alter von 94 Jahren
Filmografie, Serien, Fernsehauftritte (Auswahl)
1954: Bildnis einer Unbekannten
1955: Ingrid – Die Geschichte eines Fotomodells
1955: Des Teufels General
1955: Die Herrin vom Sölderhof
1955: Banditen der Autobahn
1956: Heute heiratet mein Mann
1958: Wir Wunderkinder
1958: Der Maulkorb
1958: Der eiserne Gustav
1958: Meine 99 Bräute
1959: Der blaue Nachtfalter
1959: Verbrechen nach Schulschluß
1959: Rosen für den Staatsanwalt
1959: Drillinge an Bord
1960: Als geheilt entlassen
1960: Bumerang
1960: Kein Engel ist so rein
1960: Das kunstseidene Mädchen
1960: Ich schwöre und gelobe
1960: Wir Kellerkinder
1960: Der Rächer
1961: Stadt ohne Mitleid (Town Without Pity)
1961: Wer sind Sie, Dr. Sorge? (Qui êtes-vous, Monsieur Sorge?)
1961: Das Geheimnis der gelben Narzissen
1961: Jack Mortimer (Fernsehfilm)
1962: Verrat auf Befehl (The Counterfeit Traitor)
1962: Dicke Luft
1962: Tunnel 28
1962: Genosse Münchhausen
1962: Ich bin auch nur eine Frau
1963: Erotikon – Karussell der Leidenschaften
1963: Allotria in Zell am See
1964: Freddy, Tiere, Sensationen
1964: Heiß weht der Wind
1965: Caroline und die Männer über vierzig (Moi et les hommes de 40 ans)
1967: Katz und Maus
1967: Jungfrau aus zweiter Hand
1968: Willst Du ewig Jungfrau bleiben?
1969: Auf Scheißer schießt man nicht
1969: Grimms Märchen von lüsternen Pärchen
1970: Was ist denn bloß mit Willi los?
1970: Die Gartenlaube
1970: Die Kriminalerzählung (Fernsehserie, eine Folge)
1971: Gebissen wird nur nachts – das Happening der Vampire
1972: Zum zweiten Frühstück: Heiße Liebe
1972: Was wissen Sie von Titipu?
1972: Tatort: Rattennest
1972: Die Schöngrubers (Fernsehserie)
1973: Alle Menschen werden Brüder
1973: Die Kriminalerzählung (Fernsehserie, eine Folge)
1976: Vier gegen die Bank
1983: Wer raucht die letzte?
1984: Horror Vacui
1985: Richy Guitar
1986: Ein Fall für zwei (Fernsehserie, Folge 46, Episode: Fasolds Traum)
1986–1987: Losberg
1987: Der Madonna-Mann
1988: Hotel St. Pauli
1989: Jenseits von Blau
1989: Praxis Bülowbogen – So schnell heilt keine Wunde (Fernsehserie, eine Folge)
1990: Neuner
1991: Haus am See
1991: Derrick – Wer bist Du, Vater ?
1992: Der demokratische Terrorist (Den demokratiske terroristen)
1992: Wolffs Revier – Mord hat Vorrang (Fernsehserie, eine Folge)
1993: Mord aus Liebe
1993: Barmherzige Schwestern
1993: Derrick – Mann im Regen
1994: Einfach nur Liebe
1995: Pakten – The Sunset Boys
1996: Tatort – Schlaflose Nächte
1996: Ein fast perfekter Seitensprung
1996: Faust – Babyraub (Fernsehreihe, eine Folge)
1996: Im Namen des Gesetzes (Fernsehserie, Folge 2x16 Hinter den Kulissen)
1997: Eine fast perfekte Scheidung
1998: Mobbing Girls (Fernsehserie)
1998: Nina – Vom Kinderzimmer ins Bordell (Fernsehfilm)
1999: Männer aus zweiter Hand
2000: Utta Danella – Der schwarze Spiegel
2000: Der Mörder in meiner Nähe
2001: Heirate mir!
2003: Der alte Affe Angst
2004: Autobahnraser
2003–2005: Bewegte Männer (Fernsehserie)
2007: Neues vom Wixxer
2007: Pfarrer Braun – Ein Zeichen Gottes
2009: Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! (Dschungelkönigin im Dschungelcamp)
2009–2011: Doctor’s Diary (Fernsehserie)
2009: Dinosaurier – Gegen uns seht ihr alt aus!
2010: C.I.S. – Chaoten im Sondereinsatz
2011: Cindy aus Marzahn und die jungen Wilden
2013: Promi Shopping Queen
2014: Promis suchen ein Zuhause
2015: Der Hafenpastor und das graue Kind
2015: Ich bin ein Star – Lasst mich wieder rein!
2015: Mila (Fernsehserie)
2015: Dr. Klein (Fernsehserie, 7 Folgen)
2015: Tatort: LU
2017: Sharknado 5: Global Swarming
Synchronisation
Als Synchronsprecherin lieh sie ihre Stimme unter anderem Honor Blackman (El Capitano), Annie Girardot (Die Novizinnen), Lee Grant (Hotelgeflüster) und Kathleen Turner (Californication).
Hörspiele
2002: Evelyn Dörr: Der Mann im Mond – Ein Radioballett mit Charlie Chaplin. Stück für Akustische Bühne (in der Rolle Hedda Hopper) – Regie: Claudia Leist (Hörspiel / Feature – WDR)
2012: Mechthild Borrmann: Wer das Schweigen bricht – Regie: Annette Kurth (WDR)
Autobiografie
Ingrid van Bergen: Ingrid van Bergen. Autobiographie. Zebulon Verlag Düsseldorf 1994, ISBN 3-928679-27-9, 368 Seiten.